Heel Hooks gehören zu den Bewegungen, die du nach der Geburt am besten zuletzt wieder integrierst. Die meisten Kletterinnen sind frühestens 4 bis 6 Monate nach der Geburt bereit für leichte Heel Hooks — vorausgesetzt, der Beckenboden ist stabil, die Rückbildung war kletterspezifisch und Symptome wie Tröpfchenverlust oder ein Druckgefühl nach unten sind verschwunden. Heel Hooks unter Last, im Überhang oder als dynamische Bewegung kommen noch deutlich später.
Aber „ab wann" ist nur die halbe Frage. Die wichtigere lautet: Wie bereitest du deinen Körper so vor, dass sich der erste Heel Hook nicht anfühlt wie ein Schritt zu weit?
Wir sind Helga und Jana Münzenberg, die Gründerinnen von She Climbs. Helga ist Sportlehrerin, fasziale Beckenbodentrainerin und Klettertherapeutin mit über 40 Jahren Klettererfahrung. Jana ist Trainerin C Leistungssport Klettern, Fitness Trainerin B, Sportwissenschafts-Studentin und Mama — sie ist bis in den 9. Monat ihrer Schwangerschaft geklettert. Zusammen begleiten wir Kletterinnen im gesamten DACH-Raum zurück an die Wand. Hier ist, was du über Heel Hooks nach der Geburt wirklich wissen musst.
Warum sich Heel Hooks nach der Geburt erst mal komisch anfühlen
Wenn du nach deiner Rückbildung den ersten Heel Hook ansetzt, kann es gut sein, dass er sich seltsam anfühlt. Viele unserer Teilnehmerinnen beschreiben genau das: ein unangenehmes Ziehen tief im Beckenboden oder Unterbauch, ein Gefühl von Instabilität in Hüfte oder Leiste, manchmal eine leise Angst, dass „da etwas nachgibt".
Das ist erst mal kein Grund zur Sorge — und es bedeutet auch nicht, dass du Heel Hooks dauerhaft meiden musst. Es ist schlicht ein Signal: Die Muskelschleife, die einen Heel Hook trägt, war monatelang nicht unter dieser Belastung aktiv, und der Beckenboden antwortet auf den Zug noch nicht so schnell und reflexhaft wie früher.
Das ist trainierbar. Aber nur, wenn du verstehst, was ein Heel Hook deinem Körper eigentlich abverlangt.
Was ein Heel Hook deinem Beckenboden wirklich abverlangt
Ein Heel Hook ist eine Zugbewegung, keine Druckbewegung. Du ziehst dich aktiv mit der Ferse heran — und dabei arbeitet die gesamte hintere Kette: Beinrückseite (ischiocrurale Muskulatur), Gesäß, Adduktoren. Gleichzeitig brauchst du Hüftmobilität und Außenrotation, weil das Bein in eine ungewohnte Position kommt.
Der entscheidende Punkt für dich als frischgebackene Mama: Dieser Zug erzeugt intraabdominalen Druck und eine asymmetrische Ganzkörperspannung. Dein Beckenboden ist Teil dieses Drucksystems. Er muss reflexhaft gegenhalten, damit der Druck nach oben in die Bewegung geht — und nicht nach unten.
Dazu kommt: Ein Heel Hook ist ein einseitiger Zug. Diese asymmetrische Belastung läuft direkt über das Becken — und die Symphyse (Schambeinfuge) ist nach der Schwangerschaft manchmal noch nicht stark genug, um den einseitigen Zug auszuhalten. Das durch Relaxin aufgeweichte Bindegewebe braucht Zeit, bis es solche asymmetrischen Kräfte wieder sicher überträgt. Ziehende oder ziepende Beschwerden im Schambereich sind deshalb ein klares Signal, noch zu warten.
Genau hier liegt nach der Geburt die Lücke. Wenn der Beckenboden den Zug nicht abfängt, geht der Druck nach unten. Die Folge spürst du als Tröpfchenverlust, als Senkungsgefühl oder als diffuses „da stimmt was nicht". (Wenn du das vom Bouldern kennst: Du bist nicht allein — wir erklären es ausführlich in Beckenboden und Bouldern: Warum Tröpfchenverlust kein Schicksal ist.)
Ein Heel Hook ist also kein „normaler Zug". Er ist ein Belastungstest für die Verbindung zwischen Beinkraft, Rumpfspannung und Beckenboden. Und Belastungstests macht man nicht am Anfang.
Ab wann sind Heel Hooks nach der Geburt sicher?
Wir teilen den Weg zurück an die Wand in vier Phasen (ausführlich in Wann darf ich wieder klettern nach der Geburt?). Heel Hooks gehören frühestens in Phase 3 — den kletterspezifischen Wiederaufbau, etwa ab Woche 12 bis 24.
Das setzt voraus:
- Deine Rückbildung ist abgeschlossen und war kletterspezifisch, nicht nur Alltags-Rückbildung.
- Dein Beckenboden kann unter Spannung gegenhalten, ohne dass Druck nach unten entsteht.
- Du kletterst bereits beschwerdefrei vertikal — kein Tröpfchenverlust, kein Druckgefühl.
Selbst dann gilt: Die ersten Heel Hooks sind leichte Heel Hooks, bodennah, an guten Griffen und ohne Überhang. Vor allem sollten die ersten Heel Hooks nicht stark belastet werden — du legst kein echtes Gewicht auf die Ferse, sondern setzt sie an und spürst die Bewegung. Du testest sie, du belastest sie nicht.
Worauf du beim ersten Heel Hook achten solltest: 4 Signale
Bevor du einen Heel Hook ansetzt — und währenddessen — achte auf diese vier Dinge:
- Kein Druck nach unten. Spürst du ein Schweregefühl oder Tröpfchenverlust, ist der Beckenboden noch nicht bereit. Sofort zurücknehmen.
- Der Zug kommt aus dem Bein. Beinrückseite und Gesäß ziehen — nicht der untere Rücken, und auf keinen Fall durch Pressen mit angehaltener Luft.
- Keine Schmerzen in Leiste, ISG oder Schambein. Durch das weiche Bindegewebe nach der Schwangerschaft sind diese Bereiche länger empfindlich.
- Du kannst weiteratmen. Wenn du in den Heel Hook ausatmen und dabei Spannung halten kannst, arbeitet dein System koordiniert. Hältst du die Luft an, ist die Bewegung (noch) zu schwer.
Die Übung, mit der du Heel Hooks vorbereitest: Schulterbrücke mit Fußsohlen an der Wand
Die beste Vorbereitung auf einen Heel Hook ist eine Übung, die genau dessen Muskelschleife in kontrollierter, geringer Belastung trainiert — am Boden, ohne Sturzrisiko, mit voller Aufmerksamkeit für deinen Beckenboden. Helga setzt dafür eine Variante der Schulterbrücke ein:
So geht's:
- Leg dich auf den Rücken vor eine Wand. Setz die Fußsohlen flach an die Wand, Knie etwa im 90-Grad-Winkel, die Schienbeine ungefähr parallel zum Boden.
- Hebe dein Becken in eine Brücke an.
- Der entscheidende Reiz: Zieh die Fersen aktiv nach unten — als würdest du sie an der Wand Richtung Boden schaben. Genau dieser Fersen-Zug aktiviert die hintere Kette: Beinrückseite und Gesäß — dieselbe Muskelschleife, die du beim Heel Hook brauchst.
- Aktiviere mit dem Ausatmen sanft den Beckenboden mit (nicht pressen!). So koppelst du den Fersen-Zug an die Beckenbodenantwort — und übst genau das, was nach der Geburt oft fehlt.

Der wichtigste Fehler — und wie du ihn vermeidest:
Schieb deinen Oberkörper während der Bewegung nicht weiter von der Wand weg. Viele machen aus dem Zug unbemerkt ein Wegdrücken — und verlieren damit genau die Spannung, die sie trainieren wollen. Schultern und Oberkörper bleiben an Ort und Stelle. Es geht nicht um Weite, sondern um den Zug der Fersen nach unten bei stabilem Rumpf.
Dosierung: 2 bis 3 Sätze à 8 bis 10 langsame Wiederholungen — oder die Brücke halten und den Fersen-Zug über 3 bis 5 Atemzüge aufbauen. Immer beschwerdefrei. Spürst du Druck nach unten oder Tröpfchenverlust, ist das dein Zeichen, eine Stufe zurückzugehen.
Diese Übung ist deine Brücke (im wahrsten Sinne) zwischen Rückbildung und Wand: Sie trainiert das Zugmuster und die Beckenbodenkopplung, bevor du beides an der Kletterwand zusammenbringst.
So steigerst du dich: vom Boden zum Überhang
Wenn die Schulterbrücke sich stabil und symptomfrei anfühlt, baust du den Heel Hook schrittweise auf:
- Schulterbrücke mit Fersen-Zug — bis sie sich kontrolliert und beschwerdefrei anfühlt.
- Bodennahe Heel Hooks an großen Griffen, beide Füße tief, vertikale Wand, kein Auflasten — du spürst nur die Bewegung.
- Vertikale Heel Hooks mit leichter Last, kurze Sessions.
- Leichter Überhang — erst wenn die Rumpfspannung im Überhang generell zurück ist.
- Dynamische und belastete Heel Hooks ganz zuletzt.
Jede Stufe ist erst dann fällig, wenn die vorige beschwerdefrei sitzt. Dein Beckenboden ist der Taktgeber, nicht dein Ehrgeiz.
Genau dieser stufenweise, kletterspezifische Wiederaufbau ist der Kern unseres Klettermama Guides — ein 12-wöchiges Programm, in dem wir per Video-Feedback auf deine echten Kletterbewegungen schauen. Bei einer Bewegung wie dem Heel Hook ist das entscheidend: Wir sehen, ob der Zug wirklich aus dem Bein kommt, wo du kompensierst und ob dein Beckenboden mitarbeitet. Das kann dir kein Standard-Rückbildungskurs und keine App geben.
FAQ: Heel Hook nach der Geburt
Ab wann darf ich nach der Geburt wieder Heel Hooks machen?
Frühestens in Phase 3 deines Comebacks, also etwa ab Woche 12 bis 24 — und nur, wenn deine Rückbildung kletterspezifisch war und du beschwerdefrei vertikal kletterst. Die ersten Heel Hooks sind leicht, bodennah und ohne Last. Heel Hooks im Überhang oder unter Last kommen erst Monate später.
Warum fühlt sich ein Heel Hook nach der Geburt unangenehm an?
Weil der Heel Hook über die gesamte hintere Kette zieht und intraabdominalen Druck erzeugt, den der Beckenboden abfangen muss. Nach der Schwangerschaft reagiert der Beckenboden auf diesen Zug oft langsamer — das spürst du als Ziehen, Instabilität oder ein leichtes Druckgefühl. Das ist häufig und in den allermeisten Fällen trainierbar.
Sind Heel Hooks schlecht für den Beckenboden?
Nein — Heel Hooks sind nicht grundsätzlich schädlich. Problematisch wird es nur, wenn du sie zu früh oder zu intensiv machst, bevor dein Beckenboden den Druck wieder abfangen kann. Mit gezielter Vorbereitung und stufenweiser Steigerung kannst du Heel Hooks ohne Bedenken wieder in dein Klettern integrieren.
Welche Übung bereitet auf Heel Hooks vor?
Die Schulterbrücke mit Fußsohlen an der Wand: Becken anheben, Fersen aktiv nach unten ziehen und den Oberkörper dabei nicht von der Wand wegschieben. Sie trainiert genau die Zug-Muskelschleife des Heel Hooks plus die Beckenbodenkopplung — kontrolliert und ohne Sturzrisiko.
Kann ich Heel Hooks nach einem Kaiserschnitt machen?
Ja, aber der Zeitpunkt verschiebt sich etwas nach hinten, weil Bauchmuskulatur und Narbe mehr Heilungszeit brauchen. Wichtig ist, dass die Wundheilung abgeschlossen ist und du die Bewegung schmerzfrei und ohne Zug an der Narbe ausführen kannst.
Du willst Heel Hooks und andere anspruchsvolle Bewegungen sicher und in der richtigen Reihenfolge zurückholen — mit individuellem Feedback auf deine echten Kletterbewegungen? Sieh dir den Klettermama Guide an — 12 Wochen kletterspezifischer Wiederaufbau mit Video-Analyse und einem Plan, der in deinen Mama-Alltag passt. Noch unsicher, wo du gerade stehst? Hier findest du den passenden Kurs für deine Phase.

